Forschungsprojekt Muschelkalk-Aquifer
Die Nordschweiz gilt als vielversprechendes Gebiet für Geothermie, da vielerorts wasserführende Schichten im Untergrund vorhanden sind – so auch in der Thurgauer Gemeinde Schlattingen. Seit 2016 beheizt die dort ansässige Grob Gemüse AG ihre Gewächshäuser mit CO2-freier Wärme aus dem Untergrund, die über zwei Tiefbohrungen erschlossen wird. Sowohl bei der ersten, vertikal geführten als auch bei der zweiten, horizontal abgelenkten Bohrung stiess man in einer Tiefe von rund 1200 Metern auf eine wasserführende Gesteinsschicht, den Oberen Muschelkalk-Aquifer. Von dort wird rund 62° Celsius warmes Wasser an die Oberfläche gepumpt.
Um Erkenntnisse über Entstehung, Herkunft, Grundwasserfliesswege sowie langfristige Fördermöglichkeiten des Muschelkalk-Aquifers zu erhalten, startete 2023 ein zweijähriges Forschungsprojekt unter dem Titel "Reservoir-Charakterisierung des Oberen Muschelkalk Aquifers im Kanton Thurgau zur Optimierung der geothermischen Nutzungen". Der Kanton Thurgau mit den Projektpartnern Universität Bern, Grob Gemüse und Enevista Energy AG konnte nun mit Unterstützung des Bundesamtes für Energie das Projekt abschliessen und den Schlussbericht vorlegen.
Anhand der Analysen von Wasserproben konnten die Forschenden belegen, dass das Wasser der beiden Brunnen eine unterschiedliche Herkunft aufweist. Das Wasser aus der senkrechten Bohrung stammt aus Niederschlägen, die während der letzten Eiszeit im Südschwarzwald niedergegangen sind. Dort kommen die Gesteine des Muschelkalk-Aquifers, die sich in Schlattingen in 1200 Metern Tiefe befinden, an die Oberfläche und Niederschläge können einsickern. Ein bedeutender Anteil des Wassers aus der abgelenkten Bohrung stammt hingegen aus dem kristallinen Grundgebirge, also aus noch tieferen Gesteinsschichten. Anhand von numerischen Modellierungen konnte gezeigt werden, dass die Wasseraufstiege entlang von Störungszonen, das heisst in Rissen und Spalten erfolgen. Basierend auf diesen Erkenntnissen empfehlen die Forschenden, dass künftige Untersuchungen im Kanton Thurgau und der Nordschweiz auf drei verschiedene geologische Ziele fokussieren: den regionalen Muschelkalk-Aquifer, die wasserführenden Störungszonen im Muschelkalk-Aquifer und die wasserführenden Störungszonen im kristallinen Grundgebirge.
Mit den neuen Erkenntnissen haben die Beteiligten wichtige Entscheidungsgrundlagen geschaffen, um die Erfolgschancen zukünftiger geothermischer Projekte zu erhöhen. In einem nächsten Schritt sollen weitere Standorte im Kanton Thurgau und der Nordschweiz zur Nutzung der Erdwärme aus dem tiefen Untergrund eruiert werden.
Schlussbericht vom 28. Januar 2026
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