Forschungsergebnisse Muschelkalk-Aquifer

Am 10. April hat Regierungspräsident Walter Schönholzer zu einer Medienkonferenz bei der Grob Gemüse AG in Schlattingen eingeladen.  Die Grob Gemüse AG nutzt dort mit Hilfe von zwei Bohrungen das ca. 60°C heisse Wasser aus dem Muschelkalk-Aquifer zur Beheizung ihrer Gewächshäuser zur CO2-freien Produktion von Gemüse.

Seit zwei Jahren läuft ein Geothermie-Forschungsprojekt des Kantons Thurgau mit Unterstützung des Bundesamtes für Energie in Schlattingen. Aus den zwei bestehenden Tiefbohrungen in Schlattingen sollen zusätzliche Erkenntnisse über den Thurgauer Untergrund gewonnen werden. An der heutigen Medienkonferenz vor Ort wurden die ersten Zwischenergebnisse vorgestellt. Ziel ist es, die Funktionsweise dieses Geothermiereservoirs besser zu verstehen und so die Erfolgschancen für die zukünftige Nutzung der Geothermie nicht nur im Kanton Thurgau zu erhöhen, wie Philippe Müller vom BFE betont. Das BFE und der Kanton Thurgau teilen sich die Kosten. Die Grob Gemüse AG ihrerseits stellt die Bohrlöcher zu wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung.

Die Zwischenergebnisse des Forschungsprojektes wurden von PD Dr. Christoph Wanner (Universität Bern) vorgestellt. Die umfassenden Wasser-Analysen zeigen, dass das Wasser aus den beiden Bohrlöchern eine unterschiedliche Herkunft aufweist. Bohrung 1 wurde senkrecht ausgeführt, Bohrung 2 abgelenkt, so dass sich die Fassungen rund einen Kilometer voneinander entfernt befinden. Das Wasser aus der senkrechten Bohrung stammt aus Niederschlägen, die während der letzten Eiszeit in der Region des Wutachtals im Südschwarzwald niedergegangen sind. Dort kommt die wasserführende Karbonatschicht, die sich in Schlattingen in einer Tiefe von rund 1'200 Metern befindet, an die Oberfläche. Die Niederschläge konnten an dieser Stelle einsickern. Interessanterweise stammt ein bedeutender Anteil des Wassers der abgelenkten Bohrung 2 aus dem kristallinen Grundgebirge, also aus Gesteinsschichten, die sich noch tiefer befinden. Dies kann unter anderem durch erhöhte Konzentrationen von Helium und Lithium zweifelsfrei belegt werden.

Das Wissen aus Schlattingen fliesst auch in das Projekt TEnU 2030 der Geothermie Thurgau AG ein, das im letzten Jahr gestartet ist. Der Fokus bei TEnU 2030 liegt auf dem gesamten Kanton Thurgau und auf zusätzlichen Anwendungen wie Wärmespeicherung sowie die Abscheidung und Speicherung von CO2.

v.l.: Christoph Wanner, Hansjörg Grob, Walter Schönholzer, Philippe Müller, Bernd Frieg